Warum? Was hier geschieht, darf nicht geschehen!

Ich bin in der Lornsenstraße geboren. Nicht nur aufgewachsen, geboren. Mein ganzes Leben habe ich hier gelebt, geliebt, gelitten, gespielt. Jeder Baum, jeder Strauch ist mir vertraut. Ich kenne das Licht, wenn es durch die alten Kastanien fällt und bei den bereits abgerissenen fiel, den Wind, wenn er durch die Hecken streicht, den Klang der Vögel in den Morgenstunden. Diese Straße, dieses Viertel, ist kein Ort auf dem Stadtplan. Es ist mein Zuhause. Unser Zuhause.

Früher war neben dem Gebäude eine große Wiese. Wir Kinder haben dort jeden Tag gespielt, sind auf die Bäume geklettert, haben Kastanien gesammelt. Erwachsene haben uns zugesehen, andere Nachbarn haben mitgesammelt, mitgelacht, mitgelebt. Es war einfach. Und es war voller Leben. Heute steht dort ein überdimensionierter Betonblock, kalt, abweisend, bedrückend. Auf einem Grundstück gebaut, das angeblich gar nicht bebaubar war. Und nun soll der nächste Schritt folgen: Abriss. Zerstörung. Verdichtung. Noch mehr Beton.

Aber diesmal geht es nicht nur um ein einzelnes Gebäude. Es geht um eine Allee, die kühlt und schützt. Um geschützte Bäume, deren Wurzeln nicht nur tief im Boden, sondern tief in uns verankert sind. Es geht um den Zaunkönig, der zwischen den Hecken lebt, unsichtbar für viele, aber zuhause. Um Wildbienen, Igel, Spatzen. Es geht um Wiesen, Rückzugsräume, Schatten, Artenvielfalt. Es geht um ein ökologisches Gleichgewicht, das man nicht wiederherstellen kann, wenn es erst zerstört ist.

Und es geht um uns Menschen. Um gewachsene Nachbarschaften. Um meine Mutter, die seit meiner Geburt hier lebt und die ich heute täglich unterstütze. Um Menschen, die sich gegenseitig helfen, füreinander einkaufen, sich kennen, vertrauen, tragen. Diese Häuser sind mehr als Wohnraum. Sie sind Lebensraum.

Umweltzerstörung im Namen der Moderne!

Der geplante Abriss ist nicht nur sozial verheerend, sondern ökologisch absurd. Denn mit jedem Haus, das fällt, fallen auch Millionenwerte an sogenannter grauer Energie. Energie, die bereits in Materialien, Bauarbeit und Transport steckt. Wird ein intaktes Haus abgerissen, ist diese Energie für immer verloren. Und dann beginnt der Wahnsinn erst richtig: Ein Neubau verursacht im Schnitt bis zu 80 Tonnen CO₂ pro Wohneinheit. Noch bevor der erste Mieter eingezogen ist. Das entspricht etwa acht Jahresverbräuchen eines durchschnittlichen Menschen in Deutschland.

Und während die Städte überall unter Hitze leiden, während Menschen in Dachwohnungen verzweifeln, sollen hier alte Bäume gefällt, Frischluftzonen zerstört, Hecken ausgerissen, Böden versiegelt werden. Für eine „moderne“ Lösung, die kalt und leblos ist. Für Parkplätze, Aufzüge, Tiefgaragen, Kanten, Kälte.

Diese Entwicklung ist nicht zukunftsfähig. Sie ist rücksichts- und verantwortungslos. Und sie ist vermeidbar.

Ausgerechnet eine Genossenschaft!

Und wer steckt dahinter? Eine Genossenschaft. Ausgerechnet. Eine Organisation, die eigentlich für Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung stehen sollte, lässt all das niederwalzen und verkauft es als Fortschritt. Sie handelt gegen die Interessen vieler ihrer Mitglieder, sehr vieler Nachbarn und lässt genau diese Mitglieder den Abriss bezahlen. Mit ihren Mieten, ihren Rücklagen, ihrem Vertrauen.

Doch das Vertrauen ist gebrochen.

Die Entscheider dieser Maßnahme müssen wissen: Diese Entscheidung wird an ihnen haften bleiben. Und nicht nur an ihnen, an der gesamten Genossenschaft, deren Ruf nun beschädigt ist. Was hier geschieht, wird Kiel nicht vergessen. Und wir werden dafür sorgen, dass es auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannt wird. Diese Geschichte wird weitererzählt. In den Vierteln. Auf den Straßen. In den Netzwerken. In der Presse. Auf Demos. In Gesprächen. Auf Plakaten.

Wir werden sie streuen wie Samen im Wind.
Oder wie Schweiß auf Beton, der sichtbar bleibt, wenn man das Lebendige niedergewalzt wird.

Mein Appell!

Wer heute noch glaubt, man könne gewachsene Strukturen einfach abreißen und durch seelenlose Neubauten ersetzen, hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Wer Kastanien fällt und Hecken rodet, um Klima-, Wohn- und Sozialkrisen mit Beton zu beantworten, handelt nicht modern, sondern rückwärtsgewandt.

In einer Zeit, in der überall mehr Begrünung, mehr Durchlüftung, mehr Schatten gefordert wird, soll hier alles zerstört werden, was genau das bietet.

Aber: Nicht mit uns.

Warum ich das hier schreibe:

Diese Seite ist keine Pressemitteilung. Kein PR-Text. Kein Politikpapier. Es ist meine Stimme als Bewohner. Als Sohn. Als Mensch. Als einer, der hier geboren wurde und nicht schweigen will.

Ich übe Kritik, scharf, aber sachlich. Und ich sage meine Meinung, klar, weil es sonst keiner tut.
Die Informationen auf dieser Seite beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen, auf eigener Erfahrung und auf dem, was ich tagtäglich sehe. Ich habe sie sorgfältig zusammengestellt. Sollte sich dennoch jemand falsch dargestellt fühlen, darf er oder sie sich gerne melden.

Aber bitte versteht: Ich schreibe nicht aus Kalkül, sondern aus Verantwortung.

Jetzt seid ihr gefragt!

Teilt diese Seite. Schickt sie an Nachbarn, Genossinnen und Genossen, Journalistinnen, Politiker, Freunde. Sprecht darüber. Diskutiert. Fragt nach. Widersprecht. Verstärkt die Stimmen, die gehört werden müssen. Bringt das Thema raus in die Stadt.
Denn wenn wir nicht reden, wird alles still.
Und dann ist alles zu spät.

Zum Glück bin ich schon lange nicht mehr alleine! Inzwischen sind wir viele!

Wenn ich durch Kiel spaziere, sehe ich überall alte Häuser, die noch immer würdevoll dastehen, viele gebaut vor über 100 Jahren, liebevoll gepflegt, voller Leben.
Viele davon stammen auch aus derselben Zeit wie unsere Häuser in der Lornsenstraße. Und doch: Sie halten. Sie tragen. Sie erzählen.

Wenn ich mir dagegen manche Neubauten anschaue, die nach wenigen Jahren schon Grünspan ansetzen oder erneut eingerüstet werden müssen, frage ich mich:
Ist das wirklich Fortschritt?
Ist neu immer besser oder nur teurer, kurzlebiger, glatter?

Wenn künftig jedes alte Haus als „nicht mehr sanierbar“ gilt, weil es angeblich „auf Schutt und Asche gebaut“ wurde, dann wird es in Kiel bald still. Und leer.
Leer an Geschichte, leer an Menschlichkeit, leer an Identität.

Wir sollten uns gut überlegen, was wir verlieren, wenn wir vorschnell abreißen.
Denn manches lässt sich eben doch nicht neu bauen, vor allem kein Zuhause.

Das Abrissgutachten, auf das sich die Entscheidung stützt, stammt aus dem Jahr 2019! Also aus einer völlig anderen Zeit. Seitdem ist vieles passiert: Die Corona-Pandemie, der Krieg in der Ukraine, massive Preissteigerungen bei Baustoffen, extreme Engpässe bei Materialien, steigende Entsorgungskosten, eine angespannte Auftragslage am Bau, Fachkräftemangel, dazu neue energetische Anforderungen und Umweltauflagen. All das hat die Bedingungen am Bau radikal verändert, finanziell wie logistisch.

Trotzdem hält die Genossenschaft an einem Abriss fest, der inzwischen ein Vielfaches von dem kosten dürfte, was 2019 veranschlagt wurde. Ohne erkennbare Aktualisierung der Grundlagen. Ohne transparente Kommunikation der tatsächlichen Kosten. Und ohne Rücksicht auf Verluste, weder für die Gemeinschaft der Mitglieder noch für die Mieterinnen und Mieter, die aus funktionierenden Wohnungen verdrängt werden sollen.

Ist es im Sinne einer verantwortungsvoll wirtschaftenden Genossenschaft, mit Mitgliedsbeiträgen ein inzwischen dramatisch verteuertes Projekt durchzusetzen, das auf veralteten Zahlen beruht? Oder wäre es nicht längst geboten, innezuhalten, neu zu bewerten und offen zu legen, wie sinnvoll und tragfähig dieses Vorhaben unter heutigen Bedingungen tatsächlich noch ist und das Projekt endlich zu stoppen?


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